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RDP/RdP / C. Schnaubelt

Friedenslicht

Pfadfinderinnen und Pfadfinder leisten aktive Friedensarbeit. Sie suchen den Dialog mit Menschen anderer Überzeugungen. Mit vielen Aktionen bekennen sie nicht nur ihren Glauben und ihre Überzeugung, sondern treten aktiv für Frieden und Gerechtigkeit ein.

Daher geben die Pfadfinderinnen der PSG alljährlich am dritten Advent gemeinsam mit den Mitgliedern des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP), der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), dem Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) und dem Verband der Altpfadfindergilden (VDAPG) in vielen deutschen Städten das „Friedenslicht aus Bethlehem“ weiter.

Die 220.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland wollen mit der Weitergabe des Friedenslichtes aus Betlehem ihren kleinen Beitrag zum Frieden leisten. Dazu sehen sie sich auch verpflichtet: Der Gründer von Pfadfinden, Lord Robert Baden-Powell, sah die Hoffnung auf eine friedliche Welt in einer weltumspannenden Völkerfreundschaft: „Patriotismus für das eigene Land ist nicht nur engstirnig, sondern schädlich, wenn man nicht über den eigenen Horizont hinausblickt und das Gute in anderen Nationen anerkennt und würdigt.“

Das vom Österreichischen Rundfunk (ORF) in der Geburtsstadt Jesu entzündete Licht wird an Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus ganz Europa weitergegeben. Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Pfadfinderinnen und Pfadfinderverbände holen das Friedenslicht aus Bethlehem in Wien ab und bringen es mit dem Zug in über 30 Städte in Deutschland. Dort wird es in zentralen Aussendefeiern an die Gruppen gegeben, die es zu Weihnachten in vielen regionalen und lokalen Aktionen an „alle Menschen guten Willens“ weiter reichen.

Seit 1994 verteilen deutsche Pfadfinderinnen und Pfadfinder das Friedenslicht aus Bethlehem und sorgen dafür, dass dieses Symbol der Hoffnung auf Frieden an Weihnachten in zahlreichen Kirchengemeinden und Wohnzimmern, Krankenhäusern und Kindergärten, Seniorenheimen, Asylbewerberunterkünften, Rathäusern und Justizvollzugsanstalten leuchtet.

Dabei steht in jedem Jahr das Friedenslicht unter einem Motto. Angelehnt an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, die in diesem Jahr seit 65 Jahren besteht, heißt das Motto 2013 „Recht auf Frieden“.

Weitere Informationen zur Aktion sind auf der Homepage zum Friedenslicht erhätlich. (www.friedenslicht.de) Dort sind auch Kontaktadressen zu regionalen Vorbereitungsgruppen in beinahe allen großen Städten zu finden.

Arbeitshilfe "Friede verbindet Menschen"

Friedenslicht_2014_final.pdf (2,4 MiB)

Interview mit Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Herr Bischof Overbeck, der kirchliche Wunsch nach Frieden und Ihre Arbeit als Militärbischof der Bundeswehr, die in Krisen- und Kriegsgebieten eingesetzt wird, wie passt das zusammen?

Für mich ist das kein Gegensatz. Die Soldatinnen und Soldaten leisten einen Dienst, der dem Frieden dient – auch und gerade in Krisen- und Kriegsgebieten. Das ist die klare Ausrichtung Ihres Einsatzes, und zwar unter den Maßgaben, die die Politik setzt. Unsere Militärseelsorge ist zuständig für die Seelsorge an den Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, sowohl hierzulande wie im Ausland. Die Militärseelsorge will ihnen helfen, verantwortlich und ethisch zu handeln.

 

Haben sie selbst schon Kriegsgebiete besucht? Welche Eindrücke haben sie dort gewonnen?

Ja. Ich habe Soldatinnen und Soldaten sowie Militärseelsorger im Einsatz besucht. Mein erster Pastoralbesuch als Militärbischof führte mich 2011 nach Afghanistan. Ein zweites Mal war ich kurz vor Weihnachten 2013 dort. Mit im Gepäck war übrigens das Friedenslicht aus Bethlehem, das ich den Soldatinnen und Soldaten – zuerst in Kabul und dann in Mazar-e Sharif – gemeinsam mit dem dortigen Militärpfarrer übergeben habe. Im April 2013, kurz nach Ostern, war ich außerdem im Kosovo. Bei meinen Reisen, sowohl als Militärbischof als auch als Adveniat-Bischof, begegnen mir viel Leid und oft große Not. Mir wird dabei auch immer von vielen Formen von Gewalt berichtet. Als Christen können wir da nicht einfach wegschauen.

 

Welche Rolle spielt Kirche für Soldatinnen und Soldaten in ihren Augen?

Wir sind sehr gefragte Gesprächspartner, und das mit einer hohen Akzeptanz auch bei vielen  Soldatinnen und Soldaten, die gar keine Bindung  oder Beziehung zur Kirche haben. Das zeugt von der Qualität unserer Arbeit und zeigt natürlich auch, wie große die Suche von Menschen nach Begleitung ist, wie sie unsere qualifizierten Seelsorger anbieten. Die Soldatinnen und Soldaten treten mit den Fragen an uns heran, die ihnen das Leben stellt. Das sind Fragen, die mit Gewalt zu tun haben, aber auch ganz elementar mit der familiären Situation oder der eigenen seelischen Lage zu tun haben. Überall da sind wir diejenigen, die als Seelsorger ihren Dienst tun. Hier zu Hause ebenso wie bei den Einsätzen in Auslandsmissionen. 

Die Militärseelsorge steht den Soldatinnen und Soldatinnen darüber hinaus in Extremsituationen bei und leistet mit dem so genannten „Lebenskundlichen Unterricht“ einen wichtigen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit militärischer Macht. Die Rolle der Kirche ist hier eine helfende, dienende und tröstende.

 

Ist Frieden nur die Abwesenheit von Krieg? Welche weiteren Schritte müssen gegangen werden, um Frieden für Menschen spürbar zu machen?

Keineswegs. Den Ursachen von Unfrieden, Gewalt und Krieg liegen weltweit elementare Verletzungen der Menschenwürde, die Missachtung fundamentaler Menschenrechte, ungerechte Strukturen der Weltwirtschaft, die Intoleranz fundamentalistischer Ideologien und fanatischer Religionsauslegungen zugrunde. Folgen sind Armut und Hunger, Verfolgung und Vertreibung. Gerade jetzt erleben wir gewaltige Flüchtlingsströme. Hier muss ganz konkret viel mehr getan werden, um zu einem „gerechten Frieden“ zu gelangen.

 

Was bedeutet Frieden für Sie? Wo setzen sie sich ganz konkret für den Frieden ein?

Menschen erleben sich nach aller Erfahrung immer als unvollkommene Wesen, die hinter ihren eigenen Idealen zurückbleiben und im Miteinander auch anderen etwas schuldig bleiben, wir können auch sagen: Schuld auf sich laden. Insofern trägt das Bestreben, in dieser Welt einen vollkommenen Frieden zu errichten, immer auch einen „visionären“ Kern in sich. Das entbindet aber niemanden und somit auch mich als Militärbischof nicht von der Pflicht, alles in meinen, wenn auch begrenzten Möglichkeiten Stehende zu tun, auf die notwendigen Schritte zu diesem Frieden aufmerksam zu machen. Es müssen alle Mittel und Wege, die dem Frieden dienen und jede Form von Gewaltanwendung verhindern helfen, ausgeschöpft werden. Auch wenn ich weiß, dass der vollkommene Friede allein das Werk Gottes ist.

 

Das Friedenslicht aus Bethlehem wird jedes Jahr von 220.000 Pfadfinderinnen und Pfadfindern verteilt. Welche Bedeutung hat so ein Zeichen (für Sie und die Gesellschaft) heute?

Das Friedenslicht aus Betlehem ist ein Zeichen der Solidarität und der Hoffnung auf Frieden. Es soll Menschen ermutigen, sich einzusetzen für einen interreligiösen Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen und somit zur Verständigung der Völker und einem friedlichen Miteinander beitragen. Das diesjährige Thema „Friede sei mit dir – Shalom – Salam“ hat aufgrund des Unfriedens im Nahen Osten einen hohen aktuellen Stellenwert. Ich kann mich nur den Worten des Heiligen Vaters – bei einem Video-Chat mit Jugendlichen – anschließen: „Wehrt euch gegen den Krieg!“ Ich möchte die Pfadfinderinnen und Pfadfinder in ihrer so wichtigen Aktion bestärken und ihnen für ihren Einsatz danken.